Die Arbeitsgemeinschaft „Asien“ richtet sich an alle, die sich aus archäologischer und altertumswissenschaftlicher Sicht für den asiatischen Kontinent interessieren. Der Begriff ist explizit weit gegriffen, im Bewusstsein, dass Asien weit davon entfernt ist, eine kulturelle Einheit zu sein. Seine lange Geschichte brachte so unterschiedliche Zivilisationen wie die indische und die chinesische hervor –  nicht weniger bedeutend als jene von Mesopotamien, Ägypten oder Griechenland. Trotzdem dient der Kontinent bis heute als oft bemühte Gegenwelt für die Reflexion der kulturellen und ethischen Werte des ebenso formelhaften „Westens“. Die Dichotomie zwischen Ost und West ist bei näherem Hinsehen aber nicht so absolut, wie sie scheint. Nicht erst seit den Eroberungen Alexanders des Großen haben der Austausch und Transfer von Gütern und Ideen zu Überschneidungen der beiden Kulturkreise geführt, deren Auswirkungen sich oft erst auf den zweiten Blick erschließen. Die eurozentrisch geprägte Perspektive der Forschung verhindert dabei nicht selten eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Thema, das jenseits der Stereotypen ein großes Erkenntnispotential birgt.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen ‚europäischen‘ und ‚asiatischen‘ Kulturen der Antike aus archäologischer Perspektive in den Blick zu nehmen und den diesbezüglichen Austausch zwischen Forscher*innen zu fördern. Diese Wechselwirkungen, die ihren Ausgang häufig in der konflikthaften Konfrontation von Gesellschaften nehmen – wie etwa im Zusammenhang mit dem Alexanderfeldzug das Aufeinandertreffen indischer und griechischer Gesellschaften im 3. bis 1. Jh. v. Chr. – oder Folge von weitreichenden Handelsbeziehungen sind – man denke an die Seidenstraße –, geraten, da sie vermeintlich an der Peripherie stattfinden, häufig aus dem Fokus der Forschung, obwohl die angestoßenen Veränderungsprozesse von zentraler Bedeutung sein können. Stilistische oder motivische Phänomene in den Bilderwelten oder der Architektur der einen oder der anderen Gesellschaft finden ihre Gründe häufig im fernen Westen oder fernen Osten und müssen nicht zwangsläufig dem Zufall der Polygenese entspringen. Die Arbeitsgemeinschaft möchte das Erkenntnispotential nutzen, das der sich aus dem Vergleich zwischen weit entfernten Gesellschaften ergebende Kontrast für Wechselwirkungen zwischen Gesellschaften, Umwelten und materiellen Kulturen birgt. 

Ein weiteres Ziel ist es, den Zugang zu wissenschaftlichen Daten durch den Austausch mit anderen Interessierten zu erleichtern und Synergien in deren Bearbeitung zu schaffen.

Die Arbeitsgemeinschaft wird sich auf der Tagung des Deutschen Archäologen-Verbandes e. V. 2021 konstituieren. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich bei Simone Voegtle () und Jacobus Bracker () zu melden.