CfP zur Internationalen Tagung und 25. Treffen der AG Etrusker & Italiker des dArV e.V. an der Universität Salzburg

19.02.2027 - 20.02.2027 Ganztags

Vergangenheit vergegenwärtigen. Historisch-politische Kulturen im Italien des 1. Jts. v. Chr.

Wie erinnern politische Gemeinschaftenan ihre Vergangenheit –und was entscheiden sie zu vergessen? Welche Rollen spielen historische Narrative, Rituale, Bilder, Monumente und Räume bei der Entstehung und Stabilisierung sozialer und politischer Ordnungen? Das 25. Treffen der dArV-Arbeits-gemeinschaft ‘Etrusker und Italiker‘ widmet sich den Verflechtungen von Erinnerung und Politik im Italien des 1. Jahrtausends v. Chr. Der Blick richtet sich auf die italischen und etruskischen Gemeinschaften eben-so wie auf die Magna Graeciaund reicht bis in die republikanische Zeit.

Die Tagung untersucht die vielfältigen Spuren, die Praktiken des Erinnerns, Vergessens und Umdeutens von Vergangenheit in Literatur, materieller Kultur, Topographie, Epigraphik und Bilderwelten hinterlassen haben. Die Tagung geht davon aus, dass historische und politische Kulturen nicht voneinander zu trennen sind: Politische Gemeinschaften entstehen, legitimieren und verändern sich durch die Vergegenwärtigung von Vergangenheit. Umgekehrt gewinnen historische Narrative durch Rituale, Performanzen, Institutionen, symbolische und materielle Arrangements politische Wirksamkeit.

Gesucht werden Beiträge, die Ansätze der Memory Studies, der politischen Anthropologie und der Archäologie miteinander verbinden und insbesondere für Gesellschaftenohne oder mit begrenzter schriftlicher Überlieferung fruchtbar machen. Zugleich soll die politische Kultur des republikanischen Rom mit ihren ausgeprägten Erinnerungsräumen und Vergangenheitsbezügen in ein breiteres Panorama historisch-politischer Kulturen Italiens eingeordnet werden.Gesucht werden Beiträge, die Ansätze der Memory Studies, der politischen Anthropologie und der Archäologie miteinander verbinden und insbesondere für Gesellschaftenohne oder mit begrenzter schriftlicher Überlieferung fruchtbar machen. Zugleich soll die politische Kultur des republikanischen Rom mit ihren ausgeprägten Erinnerungsräumen und Vergangenheitsbezügen in ein breiteres Panorama historisch-politischer Kulturen Italiens eingeordnet werden.

Ein erster Themenbereich befasst sich mit Vergangenheit als politischer Ressource. Wie wurden Erinnerungen an Ursprünge, Migra-tionen, Kriege oder Bündnisse politisch mobilisiert? Welche Rolle spielten Herkunftserzählungen, Genealogien und Familiengeschichten bei der Legitimation von Macht, Prestige, Status und Konkurrenzrollen? Wer verfügte über das Recht, Vergangenheit zu erzählen, und wie wurden konkurrierendeoder gegensätzliche Erinnerungenausgehandelt? Inwiefern trugen historische Narrative zur Konstruktion familiärer, aber auch lokaler, regionaler und ethnischer Identitäten bei und wie positioniertensich diese Erinnerungsgemeinschaften auf unterschiedlichensozialen und räumlichen Maßstabsebenen zueinander?

Daran anschließend richtet sich der Blick auf historische Kultur als Medium politischer Integration. Wie erzeugten Gemeinschaften politische Kohärenz durch gemeinsame Vorstellungen der Vergangenheit? Welche Rolle spielten Heiligtümer, Kultgemeinschaften und andere Orte gemeinsamer Erinnerung für die Ausbildung überlokaler Bindungen? Wie wurden lokale Erinnerungen auf die Ebene von Regionen, Ethnien oder politischen Verbänden übertragen? Wie veränderten sich solche Prozesse unter den Bedingungen zunehmender Mobilität, in interkulturellen Kontaktzonen und unter dem Druck der römischen Expansion?

Ein weiterer Schwerpunkt gilt den Praktiken und Räumen, in denen Vergangenheit hergestellt, inszeniert und verhandelt und damit politisch in Wert gesetzt wurde. Wie machten politische Versammlungen, Rituale, Prozessionen und Feste Vergangenheitöffentlich sichtbar? Wie wurden Genealogien, vergangene Leistungen oder kollektive Erinnerungen performativ, visuell und materiell inszeniert? Welche Rolle spielten Heiligtümer, Nekropolen, Versammlungsorteoder Stadträume als Bühnen politischer Erinnerung und als ‚memoryscapes‘? Wie wirkten Monumentalisierungen, Wiederver-wendungen, Waffenweihungen oder Beutedenkmäler an der Produktion historischer Bedeutung mit?

Schließlich sollen Prozesse des Vergessens, Auslöschens und Umdeutens in den Blick genommen werden. Welche Ereignisse, Gruppen oder Traditionen wurden aus Erinnerungsgemeinschaften ausgeschlossen? Welche Strategien des Vergessens lassen sich archäologisch beobachten, etwa die Aufgabe von Monumenten, die Tilgung von Inschriften, die Obliteration von Sakralorten oder die Verlagerung von Siedlungsplätzen? Besonderes Interesse gilt Mechanismen, mit denen Gemeinschaften politische Umbrüche bewältigten, Vergangenheit neu ordneten und historische Deutungen veränderten.

Willkommen sind Beiträge, die sich mit den historisch-politischen KulturenItaliens im 1. Jahrtausend v. Chr.befassen und theoretisch-methodische Reflexionen mit konkreten Fallstudien verknüpfen. Der Call for Papers richtet sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler:innenals auch an erfahrene Kolleg:innen.

Deadline: 31. Oktober 2026 | Abstract: 200–300 Wörter | Beiträge: 20 Min. Vortrag, 15 Min. Diskussion | Kontakt: present.past.conference(at)gmail(dot)com

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