16. Tagung des Österreichischen CVA-Arbeitskreises
Von der Scherbe zum System:
Keramik zwischen Objektanalyse und historischen Modellen
21.–22. Januar 2027, Universität Graz
Kaum ein Verfahren ist für die Vasenforschung seit ihren Anfängen so charakteristisch wie der induktive Schluss: von der Dekoration auf eine bestimmte Handschrift, von der Handschrift auf einen Maler, vom Maler auf eine Datierung. Solche Schlussverfahren, die von einzelnen Objekten auf übergeordnete Zusammenhänge zielen, prägen jedoch nicht nur die Vasenforschung, sondern die Keramikforschung insgesamt –und sind für archäologisches Arbeiten grundlegend. Im Zentrum der Tagung steht daher die Skalierung bzw. Skalierbarkeit archäologischer Erkenntnis, also die Frage, wie Erkenntnisse zwischen unterschiedlichen Maßstabsebenen entstehen und welche Verfahren, Voraussetzungen und Grenzen diese Formen des Schlussfolgerns kennzeichnen.
Solche Gedankengänge gehören zum Alltag der Arbeiten mit Keramik: Wie ordnen wir Gefäße in Typochronologienein, um sie in lokale, regionale oder mediterrane Bezugssysteme einzubetten? Welcher Stellenwert kommt dabei Einzelfunden zu, die sich einer solchen Einordnung entziehen? Wie weit reicht der Erkenntnisgewinn, den Gebrauchsspuren-, Rückstands-oder archäometrischeAnalysen ausgewählter Gefäße für allgemeinere Aussagen über Produktion, Distribution oder Konsum von Keramik ermöglichen? Welche Bilder der antiken Welt eröffnen Objektbiographieneinzelner Gefäße? Wie verhalten sich lokale Tendenzen zu regionalen Entwicklungen, wie mikrohistorische Beobachtungen zu makrohistorischen Prozessen? Wie lassen sich aus spezifischen, meist lückenhaften Fundkontexten Produktionsprozesse, Wirtschaftssysteme, Umweltbeziehungen und Ressourcen-Nutzungen erschließen? Allgemeiner steht dabei das Verhältnis unterschiedlicher Datentypen und Erkenntnisebenen auf dem Prüfstand, also das epistemische Hin und Her zwischen archäologischen, archäometrischen, analogen und digitalen Daten einerseits sowie übergeordneten Interpretationen, Modellen und historischen Narrativen andererseits.
Die Tagung lädt dazu ein, bemalte Keramik aus dem vorrömischen Mittelmeerraum als Medium archäologischer Erkenntnis-Skalierung in den Mittelpunkt zu stellen. Willkommen sind Beiträge, die anhand konkreter Fallstudien unterschiedliche Maßstabsebenen miteinander verbinden, methodische und theoretische Reflexionen zu induktiven/deduktiven Prozessen präsentieren oder die epistemischen Chancen und Grenzen keramischer Evidenz diskutieren.
Wir freuen uns über Einreichungen (mit Vortragstitel und einem Abstract von bis zu 500 Zeichen) bis 15. Oktober 2026 an cva.austria@gmail.com.
