Stephanie Müller ist Abteilungsleiterin und Pressesprecherin am LVR-LandesMuseum Bonn


Was haben Sie wo studiert?

Ich habe Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Neuere deutsche Literaturwissenschaften an der Universität Bonn studiert.

Was waren Ihre bisherigen beruflichen Stationen?

Ich habe direkt nach dem Magisterabschluss eine Stelle im Verlag Philipp von Zabern angetreten. Hier war ich in der Redaktion der Zeitschrift „Antike Welt“ beschäftigt und lernte das Verlags- und Magazingeschäft kennen. Dann führten mich meine Wege aus Mainz wieder zurück nach Bonn, wo ich am LVR-LandesMuseum Bonn ein Wissenschaftliches Volontariat absolvierte. Es fand in der Abteilung Bestandspflege statt und hatte den großen Vorteil, dass ich sowohl in den Bereichen Inventarisation, Ausstellungen, Kommunikation und Social Media wie auch Redaktion von Ausstellungskatalogen intensiv arbeiten und Erfahrungen sammeln konnte. Im Anschluss an das Volontariat kam eine Zeit der Freiberuflichkeit, in der ich als Redakteurin und Lektorin im Bereich von hauptsächlich archäologischen Publikationen tätig war.

Seit 2015 bin ich als Pressesprecherin für die Kommunikation am LVR-LandesMuseum Bonn zuständig, seit 2020 habe ich die Abteilungsleitung der Abteilung „Bildung und Vermittlung, Presse, Publikationen, Digitaler Besucherservice“ inne.

Was war Ihr Berufsziel während des Studiums? Hat sich Ihr Berufsziel während des Studiums verändert? Wie haben Sie sich während des Studiums beruflich orientiert?

Schon während des Studiums konnte ich dank der Mitarbeit an Ausstellungsprojekten Erfahrungen im Ausstellungs- und auch im Redaktionswesen sammeln. Diese Erfahrungen haben mich sehr darin bestärkt, einen Job im Museumsbereich zu suchen. Die Vermittlung von vielseitigen Inhalten, häufig wissenschaftlicher Natur, an ein breites Publikum, hat mir besonders Freude bereitet. Und hier sind die Redaktionen häufig die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, eine vielseitige und abwechslungsreiche Aufgabe.

Wie haben Sie den Übergang in die berufliche Tätigkeit nach dem Studium empfunden?

Der Übergang war nervenaufreibend. Denn das Studium war sehr theoretisch ausgelegt und hat einen nicht so ganz auf die wirkliche Praxis im Beruf vorbereitet. Nur durch zusätzliche Projekte und vor allem Praktika konnte ich einen sehr guten Einblick in das Berufsfeld gewinnen.

Wie sieht Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit aus? Was sind Ihre derzeitigen Aufgaben?

Die Abteilungsleitung der Abteilung „Bildung und Vermittlung, Presse, Publikation, Digitaler Besucherservice“ hat ein breites Aufgabenspektrum: von der Mitarbeiterführung und -motivation, über die Programmplanung, die strategische Weiterentwicklung der unterschiedlichen Ebenen der Vermittlung, die Weiterentwicklung der digitalen Agenda des Museums, die Öffentlichkeitsarbeit zum Haus wie auch zu den Ausstellungen, die interne Kommunikation, die Krisenkommunikation, Mediengestaltung und -entwicklung bis hin zur Initiierung und Steuerung von Projekten in den Teams der Abteilung. Grundlage von allem ist und bleibt die Vermittlung des kulturellen Erbes des Rheinlandes in Form von Angeboten und Ausstellungen. Die Kommunikation stellt dabei den größten und wichtigsten Teil meiner Arbeit da. Diese findet direkt, in Meetings, mündlich, schriftlich, analog und digital statt.

Was können Archäolog*innen nach dem Studium besonders gut? Was nutzen Sie von diesen Kompetenzen für Ihre aktuelle Tätigkeit?

Archäolog*innen lernen in ihrem Studium zum einen das Analysieren und das Kontextualisieren. Und zum anderen lernen sie Fragen zu stellen und die richtigen Fragen überhaupt zu finden. Das halte ich für sehr wichtige Fähigkeiten. Fragen an das Objekt, den Text, die Überlieferung oder auch die/den Wissenschaftler*in. Nur wer Fragen stellt, kann neue und weitere Informationen erhalten. Und aus den Objekten zu lernen, aus der Geschichte zu lernen, ist eine der wichtigsten Tätigkeiten, die zu oft einfach unterschätzt oder ignoriert wird.

Was hätten Sie im Studium, aus heutiger Sicht, anders gemacht?

Ich hätte mir gewünscht, dass das Studium sehr viel praxisorientierter abläuft. Im Studium lernt man vieles und das ist auch wichtig. Aber ganz vieles wird noch nicht einmal gestreift. Nach dem Studium musste ich beispielsweise erst lernen, wie man einfache Texte für unterschiedliche Zielgruppen verfasst. An der Uni wurde einem das wissenschaftliche Schreiben beigebracht und regelrecht eingetrichtert, ja nie den wissenschaftlichen Sprech zu missachten. Im Berufsleben und auch schon kurz davor, beim Bewerbungsschreiben, hilft einem das allerdings gar nicht weiter. Man muss sich von den komplizierten Nebensatzstrukturen trennen und sehr viel mehr über seine Zielgruppe nachdenken.

Welchen persönlichen Tipp können Sie Studierenden des Fachs Archäologie geben, damit sie den für sie passenden Job finden?

Mein Tipp ist, probiert euch in Praktika aus. Hier könnt ihr herausfinden, ob ein Arbeitsfeld das ist, was es scheint und ob es zu euch passt. Wenn ihr kein gutes Gefühl dabei habt, probiert ein völlig neues Feld aus. Solltet ihr es interessant finden, steigt tiefer ein. Es gibt die unterschiedlichsten Bereiche in der Archäologie, sei es Universität, Museum, Bodendenkmalpflege, Grabungsfirma, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, digitale Datenverarbeitung. Gerade durch die Digitalisierung entstehen gerade viele neue Berufe im Kulturbereich, die Kandidat*innen benötigen, die die Fähigkeiten haben, Daten zu interpretieren und in einen Zusammenhang zu setzen, und komplexe Systeme in Form einer Schnittstellenkompetenz auch zu übersetzen (inhaltlich vom Komplexen zum Einfachen für Fachleute wie auch für Laien oder eben auch sprachlich). Also am besten Augen und Ohren offenhalten und nicht vergessen zu kommunizieren bzw. zu fragen. ;)