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  Was ist Archäologie  
  Archäologische Studiengänge  

Einleitung

Die Archäologie befasst sich mit den materiellen Hinterlassenschaften vergangener Kulturen aus prähistorischer und historischer Zeit. Sie wertet dazu Denkmäler, Bodenfunde und Schriftquellen aus, um das Bild einer geographisch und zeitlich begrenzten Kultur nachzuzeichnen. Im Zentrum stehen Fragen nach Gesellschaftsstrukturen, Wirtschafts- und Siedlungswesen, Formen des Alltagslebens, Totenbrauchtum, religiösen Vorstellungen und künstlerischen Entwicklungen.
Die archäologische Forschung in Deutschland hat sich im Laufe ihrer Geschichte in mehrere Einzeldisziplinen aufgeteilt.

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Die verschiedenen archäologischen Fächer und ihre Arbeitsbereiche

Klassische Archäologie
Sie erforscht vor allem Kunst- und Baudenkmäler sowie andere materielle Zeugnisse der historischen Zeit im Mittelmeerraum und den Anrainerländern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der griechischen und römischen Antike. Darüber hinaus beschäftigt sich die Klassische Archäologie mit den antiken Vorgängerkulturen (z.B. minoisch-mykenische oder etruskische Kultur) sowie den Nachbarkulturen (z.B. im phönizisch-punischen Raum, in Anatolien und im Nahen Osten). Der geografische und zeitliche Raum des Faches entspricht der Ausbreitung der griechischen und römischen Kultur. Ziel ist die Rekonstruktion und Kenntnisse der konkreten historischen Welt mit allen materiellen Aspekten des Lebens - also der "Lebenswelt", aber auch die Kenntnis der gegenständlichen Symbole kollektiver und individueller Sinnstiftung.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institutes, Museen.

Christliche Archäologie
Sie schließt sich zeitlich an das Forschungsgebiet der Klassischen Archäologie an. Die Christliche Archäologie befasst sich im Wesentlichen mit den Kunst- und Baudenkmälern der christlich geprägten Kulturen von Konstantin d.Gr. (312 n.Chr.) bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im Jahre 1453. Ein Schwerpunkt liegt auf den byzantinischen Hinterlassenschaften in Griechenland und im östlichen Mittelmeerraum.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institutes, Museen.

Biblische Archäologie
Sie wird auch als Palästina-Archäologie bezeichnet und konzentriert sich auf die materiellen Hinterlassenschaften des 2.-1. Jahrtausend v.Chr. in den Ländern der Bibel (besonders Israel, palästinensische Gebiete, Jordanien und Libanon).
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Evangelischen Institutes für Altertumswissenschaft in Jerusalem und Amman und des Deutschen Archäologischen Institutes, Museen.


Vorderasiatische Archäologie
Sie beschäftigt sich mit den archäologischen Bodenfunden und Kunst- und Kulturdenkmälern der prähistorischen und historischen Kulturen, besonders der frühen Hochkulturen, im östlichen Mittelmeerraum und vorderasiatischen Raum. Ihr Arbeitsgebiet reicht bis nach Persien (irakisch-iranischer Raum) und umfaßt etwa das 4.-1. Jahrtausend v.Chr.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institutes, Museen.

Provinzialrömische Archäologie
Sie befasst sich mit der Archäologie, Geschichte, Kunst und Kultur der Römer und der einheimischen Bevölkerungin den Provinzen des Römischen Reiches, d.h. in den Gebieten außerhalb des Kerngebietes des Römischen Reiches auf der italienischen Halbinsel. Ein Schwerpunkt der deutschen Forschung liegt dabei auf den germanischen bzw. nordwestlichen Provinzen des Reiches.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Denkmalpflegeämter (Bodendenkmalpflege), Museen, heute auch private Grabungsfirmen, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institutes.


Ur- und Frühgeschichte (Prähistorie)
Sie erforscht die überwiegend noch schriftlosen Kulturen in der ganzen Welt und befasst sich mit deren materiellen Hinterlassenschaften von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Die deutsche Forschung konzentriert sich vor allem auf Mittel-, Nord- und Osteuropa.
Hauptarbeitsbereiche: Denkmalpflegeämter (Bodendenkmalpflege), Universitäten, Museen, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institutes, heute auch private Grabungsfirmen.

Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit
Sie hat sich aus der Ur- und Frühgeschichte entwickelt und konzentriert sich auf die Gewinnung und Auswertung der materiellen Hinterlassenschaften seit dem frühen Mittelalter als historische Quellen.
Hauptarbeitsbereiche: Universität, Denkmalpflegeämter (Bodendenkmalpflege), Museen, heute auch private Grabungsfirmen.


Ägyptologie
Sie erforscht alle schriftlichen und materiellen Überreste der altägyptischen Zeit (Altes Reich bis zur Ptolemäerzeit) mit ihrer Geschichte, Kunst und Kultur. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt dabei auf den Sprachen und schriftlichen Zeugnissen. Das Fach umfasst sowohl die ägyptische Archäologie als auch die Geschichte und Philologie.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Museen, Forschungseinrichtung des Deutschen Archäologischen Institut in Kairo.


Antike Bauforschung
Sie befasst sich mit der Architektur, d.h. einzelnen Bauten und ganzen Siedlungen, in der Antike. In Deutschland ist die antike Bauforschung weitgehend an Technischen Universitäten /Hochschulen angesiedelt und erfolgt im Rahmen der Forschung und Lehre zum aktiven Bauen.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institut.

Archäometrie
Archäometrie als Arbeitsfeld ist angesiedelt zwischen Geistes- und Naturwissenschaften und umfasst das Gebiet des Einsatzes naturwissenschaftlicher Methoden zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen. Zur Anwendung kommen diese naturwissenschaftlichen Verfahren dann, wenn mit rein geisteswissenschaftlichen Methoden keine oder nur ungenaue Ergebnisse erzielt werden können. Zu den Hauptforschungsfeldern der Archäometrie zählen Prospektion, Materialanalysen und Datierungsmethoden. Die Materialanalysen werden an organischen und anorganischen Werkstoffen durchgeführt. Im Vordergrund stehen hier meist Herkunftsbestimmungen, die Klärung von Fragen zur Klimageschichte oder Ernährung, technologische Fragen oder Echtheitsbestimmungen.
Hauptarbeitsbereiche: Universitäten, Forschungseinrichtungen des Deutschen Archäologischen Institut.

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Ungefähre Anzahl der Institute und Seminare der verschiedenen archäologischen Disziplinen an deutschen Hochschulen:

Archäologische Fächer:    
Klassische Archäologie 34  
Vor- und Frühgeschichte 24  
Vorderasiatische Archäologie 7  
Biblische Archäologie 4  
Christliche Archäologie 25  
Ägyptologie 16  
Provinzialrömische Archäologie 5  
    Summe: 115
Verwandte Fächer mit archäologischen Inhalten: 
Archäometrie 33  
Baugeschichte 7  
    Summe: 40
Verwandte altertumswissenschaftliche Fächer:  
Klass. Philologie 49  
Altorientalistik 10  
Alte Geschichte 60  
    Summe: 119

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Das Selbstverständnis der archäologischen Fächer an den Universitäten:

Die archäologischen Fächer können im Vergleich zu den bekannten "Massenfächern", z.B. Germanistik, nur relativ kleine Zahlen an Studierenden und Dozenten aufweisen. Zusammen mit den anderen altertumswissenschaftlichen Fächern (Alte Geschichte, Altphilologien) bilden sie jedoch eine wichtige und unbedingt notwendige Ergänzung zu den anderen geisteswissenschaftlichen Fächern, wie Kunstgeschichte, Geschichte, Sprachen etc. Die historischen, kulturellen und geistesgeschichtlichen Entwicklungen von Mittelalter, Neuzeit und jüngster Vergangenheit lassen sich ohne die Kenntnis des Altertums nicht vollständig und richtig verstehen. Die archäologischen Fächer mit ihren Forschungen sind daher wichtig für die Qualität der Forschung in allen anderen geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern.
Daher sind die archäologischen Fächer auch als Nebenfächer von großer Bedeutung. Nicht selten wählen auch Studierende mit einem nicht-geisteswissenschaftlichen Hauptfach ein archäologisches Nebenfach, um dadurch ihren methodischen und kulturgeschichtlichen Horizont zu erweitern.
Die archäologischen Fächer basieren auf strengen wissenschaftlichen Methoden. Die Studierenden lernen in diesen Fächern analytisches und konzeptionelles Denken. Sie lernen weiterhin, verschiedene Meinungen und Forschungsergebnisse gegeneinander abzuwägen und zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen. Weiterhin beschäftigen sich die verschiedenen Archäologien immer mit fremden Kulturen - ob in Deutschland, in den europäischen Nachbarländern oder in weit entfernten Gegenden (Afrika, Naher und Mittlerer Osten etc.). Sie sind dadurch auch immer mit den derzeitigen Lebensverhältnissen und Kulturen in diesen Ländern konfrontiert. Die Studierenden und Wissenschaftler sammeln dabei Erfahrungen und Qualifikationen, die ihnen auch in anderen Berufsbereichen - gerade auch in der freien Wirtschaft - von großem Nutzen sind. Archäologen sind daher heute in vielen verschiedenen Bereichen tätig und profitieren dabei von ihrem Studium (z.B. Verlage, Medien, Stiftungen, Museen, Wirtschaft, PR).

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Einführende Literatur:

  • Ur- und Frühgeschichte:
    Hans Jürgen Eggers, Einführung in die Vorgeschichte, Serie Piper (3. Aufl., 1986).
    Hermann Müller-Karpe, Einführung in die Vorgeschichte, Beck’sche Elementarbücher, Verlag C.H. Beck München (1975).
  • Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit:
    Günter P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (2. Aufl. 1992).
  • Klassische Archäologie:
    Ulrich Sinn, Einführung in die Klassische Archäologie, Verlag C.H. Beck München (2000).
    Adolf H. Borbein, Tonio Hölscher, Paul Zanker (Hrsg.), Klassische Archäologie. Eine Einführung, Dietrich Reimer Verlag GmbH (2000).
    Tonio Hölscher, Klassische Archäologie. Grundwissen, Theiss Verlag (2002).
  • Ägyptologie:
    Erik Hornung, Einführung in die Ägyptologie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt (4. Aufl., 1993).

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letzte Aktualisierung: 20.10.2006